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    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0 introduced #6: Voyage to icaria

    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0  introduced #6: Voyage to icaria

    Voyage to icaria – Ein Gespenst geht um


    In Berlin über den beliebten Gemeinplatz der allgemeinen Schwierigkeit der Wohnungsfindung zu reden ist mittlerweile so frustrierend und langweilig wie lauwarmer Jungendherbergs-Früchtetee. Unangenehm werden solche Gespräche, wenn die (scheinbar immernoch) beliebte These auftaucht, daran seien die vielen Menschen Schuld, die nach Berlin ziehen, um goldgräbermäßig ihr Glück als Künstler*innen zu suchen. Ich meine: hey. Wir können froh sein, dass immer noch so viele Menschen aus der ganzen Welt kommen, um hier ein Zuhause zu finden. Das Problem sind nicht die Menschen, sondern unsere Stadtplanung, unsere Politik und unser Wirtschaftssystem.


    Iris und ich wären uns jedenfalls nicht begegnet, wäre Iris nicht über Umwege von Barcelona nach Berlin gezogen, um hier zu arbeiten und um hier Kunst zu machen. Hätte sie nicht ein Zimmer besichtigt und bei der Gelegenheit auch einen Link zu ihrer Musik da gelassen, hätte ich Voyage to icaria vermutlich nie kennengelernt. Weder den kommunistisch-utopischen Roman von Étienne Cabet, noch das danach benannte Technoprojekt. Und das wäre, mit Verlaub, jammerschade gewesen.


    Voyage to icaria ist ein Ort an dem die Dunkelheit willkommen ist, sagt Iris. Das beschreibt ihre Musik im Kern: ihr Sound ist dunkel und endlos. Diese Dunkelheit ist aber nicht furchteinflößend sondern ungemein beruhigend. Voyage to icaria umarmt die Dunkelheit. Wie eine alte Freundin. Da lauern keine Gespenster und keine Monster. Da ist nur eine Dunkelheit, die uns umschließt und vor der Helligkeit schützt. Eine Dunkelheit, die uns Raum zum Träumen schenkt. Von einer anderen Weltordnung, von einer anderen Zeit und von Veränderungen, die kommen werden.


    Vielleicht sind wir die Monster. Vielleicht sind wir das Gespenst, das umgeht. Wer die Reise nach Icaria antritt begegnet in jedem Fall einer unerschöpfliche Energiequelle. Einer Utopie: Gespenster aller Länder, vereinigt euch und tanzt den Totentanz für ein System, über das wir irgendwann mal singen werden: „Weißt du noch, wir regelten unsere Dinge über das Geld – vorbei vorbei vorbei." (PeterLicht) Also kommt nach Icaria. Icaria ist hier. Icaria ist jetzt. Machen wir uns gemeinsam auf die Reise.


    REINHÖREN:


    FÜNF FRAGEN AN:
    Iris, Reiseleiterin nach Icaria.

    1. Welchen Beruf haben sich deine Eltern für dich vorgestellt?
    IRIS: Work, marry a rich man, have childs and live in the town near them.

    2. SMS von dir an dein 16jähriges Ich. Was steht drin?"
    IRIS: Your classmates are shit. This town is shit. Well... you know it... just don't smoke too much joints.

    3. Was machst du anders, als andere Menschen?
    IRIS: Dunnnnnnoooooo.

    4. Welchen Fehler würdest du jederzeit wieder begehen?
    IRIS: Living in Amsterdam.

    5. Hashtag Wiedergeburt: Wärst du lieber ein Blatt oder eine Wurzel?
    IRIS: Leaf.


    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0, 16.12.17, Spartacus Potsdam