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    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0 introduced #5: ROTATION 44

    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0  introduced #5: ROTATION 44

    ROTATION 44 – Schööön nach vorne


    Als ich Adriaan und Malte aka Onkel Tuca das erste Mal treffe, bin ich zu spät, weil ich noch etwas zu lange auf der Straße vor dem Haus stehe, um mit meinem Bruder zu telefonieren. Das Gespräch wird immer wieder unterbrochen: seine Tochter Fenja ist krank und macht im Hintergrund des Bremer Einfamilienhauses Radau. Später, in Maltes Wohnung treffe ich Fenya, mit Y. Natürlich ist sie nicht meine Nichte. Aber die ironische Leichtigkeit mit der der Zufall unterschiedliche Lebensrealitäten nebeneinander stellt finde ich durchaus bemerkenswert. Wir sitzen beisammen und unterhalten uns über Clubkultur. Am Ende des Abends werden wir unzählige Namen für Partyreihen gefunden, uns über illegale Raves unterhalten und Technopartys "an sich!" neu erfunden haben. Hybris im Halbwissen - tut auch mal gut.


    Malte und Adriaan sind DJs und Dachbarn. Die Dachbarn sind ein loser Verbund von DJs, Produzent*innen und Veranstalter*innen. Dachbarn-Partys sind mitunter von jener Sorte, bei der der Ort erst kurz vor knapp über soziale Medien veröffentlicht wird. Seit 2015 spielen Malte und Adriaan B2B als ROTATION 44. Ihr Stil ist überraschend flexibel, je nach Kontext und tanzenden Menschen, von rohem House bis zu schnellem Techno, oder – mit Malte und ganz berlinerisch: immer „schööön nach vorne". Wer primitive Beats erwartet, wird positiv überrascht: es hakt und schiebt, es taumelt und kracht, beißende Säure und donnernder Bass, hypnotisch und exzessiv.


    In ROTATION 44s Musik, aber auch in ihrem Verständnis der Partykultur, steckt viel handverlesende Detailarbeit und politische Überzeugung. Das ist in jeder Sekunde spür-, hör- und fühlbar. Ideal für den Anfang vom langen Finale der Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0. Malte und Adriaan werden eure Tanzwut provozieren und befriedigen. Während die Nacht sich langsam in den Morgen verwandelt. Und während Fenja, meine Nichte, hoffentlich schon tief und fest schläft und von ihrer Zukunft träumt. Vielleicht wird sie ja Technomusikerin. Oder Versicherungsfachangestellte. Hauptsache glücklich. Hoffentlich in einer schon etwas besseren Welt.


    REINHÖREN: 


    FÜNF FRAGEN AN:
    Adriaan, Dachbar.

    1. Welchen Beruf haben sich deine Eltern für dich vorgestellt?
    ADRIAAN: War mir nicht so klar, aber ich denke etwas mit Anzug, Lederschuhen und Visitenkarten? So was in die Richtung. Haha. Auf keinen Fall! Aber sie lieben mich trotzdem.

    2. SMS von dir an dein 16jähriges Ich. Was steht drin?
    ADRIAAN: "Heya, ich komme etwas zu spät an. Du auch oder?"

    3. Was machst du anders, als andere Menschen?
    ADRIAAN: Gute Frage...

    4. Welchen Fehler würdest du jederzeit wieder begehen?
    ADRIAAN: Ich weiß nicht ob es Fehler waren. Wenn ja, dann gerne alle!

    5. Hashtag Wiedergeburt: Wärst du lieber ein Blatt oder eine Wurzel?
    ADRIAAN: #Blatt Muss nicht immer fest am Baum bleiben. 😀


    Angst vor deutschen Kleinstädten 2.0, 16.12.17, Spartacus Potsdam